Reflexionen zur Reise ins Leben
- Ulrich Lythgoe-Schoisswohl

- 15. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit

WO STEHE ICH? WOHER KOMME ICH?
Heute begreife ich mich als Physiker, Mediator, Energetiker und Schamane mit sehr umfassendem buddhistischen Wissen. Früher war ich Programm- und Netzwerkmanager, Moderator, Projektprüfer, Gutachter, Trainer und Projekt- und Kommunikationsmanager in interkulturellen und internationalen EU-Projekten. Noch früher Astrophysiker, Strömungsmechaniker, forschender und lehrender angehender Wissenschaftler.
VON DER PHYSIK ZUM SCHAMANISMUS
Ja, Wissenschaft und Spiritualität, Physik und Schamanismus gehen zusammen. Nicht so einfach und nicht für jeden. Lassen Sie sich erzählen, welchen Weg ich beschritten habe, um diese beiden doch sehr diametralen Weltanschauungen zu verweben und schließlich in einer Synthese zusammenzuführen.
MEINE REISE INS LEBEN
Bedenken Sie, wenn Sie die folgenden Zeilen lesen, dass ein solches Unterfangen seinen Preis hat. Dass es zwischendurch verwirrende, chaotische, problematische und sogar destruktive Züge annehmen kann. Dass die Klarheit, Einsicht und Stabilität, die mir heute eigen sind, aber gerade aus der Bewältigung dieser Herausforderungen, Abgründe und Hindernisse erwachsen sind.
Lassen Sie uns beginnen.
1999 - 2004
1999-2004 stehen ganz im Zeichen von Astronomie und Astrophysik, Mathematik und Quantenmechanik. Besonders fasziniert mich die, von den Größen der Quantenphysik angestoßene, Debatte um die Natur der Wirklichkeit. Warum? Dabei begegnen mir das Unerklärliche, das Mysteriöse und das Paradoxe. Eben das, nach dem ich mich in meinem so gänzlich entzauberten Alltag zu tiefst sehne.
Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsphilosophie, Erkenntnistheorie und die Frage nach den Grenzen naturwissenschaftlichen Denkens ziehen mich in ihren Bann. Gibt es vielleicht doch mehr als das, was wir als Physiker messen können? Die Quantenphysik wird mir zum Portal in die Metaphysik. Für Andere ist es die Suche nach Erleuchtung, oder die Heilung Ihrer Traumen, für mich ist es die Frage nach dem Wesen des Wirklichen, die mir das Tor aufstößt zu einer größeren und umfassenderen geistigen Welt.
2004 - 2009
2004-2008 sind die Jahre meines wissenschaftlichen Erwachsenwerdens. Am Ende steht ein Doktorat zu Musterbildung und Selbstorganisation in Gasen und Flüssigkeiten. Während ich an der Universität forsche und lehre, absolviere ich eine Ausbildung zum eingetragenen Mediator. Dadurch eröffnet sich mir die Welt der Psychologie und Psychotherapie.
Doch rasch bin ich mit dem Herz woanders, denn 2005-2007 begegnen mir Buddhismus, Körper- und Energiearbeit und Schamanismus mehr oder weniger zugleich. Völlig ungeahnte Wirklichkeiten tun sich auf, in die ich in den folgenden Jahren immer weiter vordringe. Dabei gerät mein Weltbild und Wirklichkeitsverständnis aus den Fugen. Eine Erfahrung, die ich damals als problematisch und faszinierend zu gleich erlebe.
Als Physiker komme ich mir immer mehr vor wie Alice, die durchs Hasenloch ins Wunderland fällt. Der Fall scheint kein Ende zu kennen, das Hasenloch keinen Boden. Doch der Physiker will wissen, wie tief das Hasenloch geht, was wirklich ist und wie all das von mir erlebte zusammenpasst. Als Mediator empfinde ich einen gesunden Respekt für die Erlebniswirklichkeiten meiner Gesprächspartner. Was mich daran stört, ist, dass da vieles nicht zusammenzupassen scheint. Immer tiefer tauche ich ein in den kaleidoskopischen Nexus menschlichen Erlebens.
2009 - 2010
2009 gehe ich in den Nockbergen auf Visionssuche, das kennzeichnet den Beginn meiner ersten großen schamanische Initiation. Weitere werden folgen. Doch daran denke ich noch nicht.
Nochmals versuche ich mich als Wissenschaftler. Doch die Fragestellungen, denen ich mich widmen soll, scheinen mir schon seit längerem belanglos und unpersönlich. Selbst unter der größten Anstrengung meines Willens, kann ich mich meiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr zuwenden. Mein Geist ist in Unordnung geraten. Die tiefen Schichten meiner Psyche binden Energie und Gewahrsein. Mehr noch: mein Weltbild ist zerbrochen, meine Menschenbild auseinander gefallen und mein Selbstbild steht Kopf.
Wie die verlorene Ganzheit wiederherstellen? Wie die berufliche Existenz sichern, wenn der Geist dafür nicht im gewohnten Ausmaß zur Verfügung steht? Ich begreife: Ich bin am Ende meiner akademischen Karriere angelangt. Heute würde ich sagen: Ich stehe am Friedhof des Mythos meines alten Lebens. Damals versteht niemand meine Situation. Auch ich nicht.
Rückblickend begreife ich 2009 / 2010 als die Jahre meiner großen spirituellen Krise. Als Jahre in denen tiefe innere Prozesse das Sagen haben. In denen ich Welt-, Menschen- und Selbstbild mühsam provisorisch wieder zusammensetze. Eine kreative Pause vom ganz normalen Alltag nehme.
2010 - 2021
Mitte 2010 trägt mich mein beruflicher Werdegang dann aus den universitären Wissenschaften in eine staatliche Agentur am Schnittfeld von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. In den folgenden 12 Jahren bin ich Zaungast von Technologieentwicklungs- und Innovationsprozessen in fast allen akademischen Disziplinen und in zahlreichen Wirtschaftszweigen. Mir begegnet eine neue Welt. Die Zusammenarbeit mit der Kollegenschaft erweitert meine geistigen Horizont enorm. Dabei lösen sich viele Vorurteile wie von selbst in Rauch auf. Schließlich reife ich ins politische Bewusstsein.
Über die Jahre klopft die Frage nach dem Wesen des Wirklichen immer wieder kompromisslos an die Tür. Die Visionssuche in den Nockbergen und die intensiven Jahre 2005-2009 haben ihre Spuren hinterlassen. Das Erlebte lässt sich nicht so leicht verdauen. Nicht so einfach in eine integrale Weltsicht zusammenbringen, die auch für das universitär Erlernte und Erlebte Platz lässt. Die Spannung zwischen den Weltanschauungen von Physik, Buddhismus und Schamanismus verbleibt als Widerspruch in meinem System und verlangt nach einer geistigen Brücke, die sich nicht so einfach errichtet lässt.
Während ich meinen beruflichen Weg weiter gehe, öffne ich mich bewusst dem Denken mir fremder akademischer Disziplinen. Ich will wissen, ob ich von denen, über deren Denken ich so gut wie nichts weiß, etwas lernen kann, das mir gestattet zurück in die Ganzheit zu finden.
Auf Konferenzen und Workshops begegnet mir eine völlig fragmentierte akademische Welt. Der Bruch zwischen Natur- und Sozialwissenschaften scheint mir absolut. Wenig überraschend verstehe ich zuerst gar nichts. Ich höre die Worte akademischer Fachsprachen, deren Bedeutung sich mir nicht erschließen will. Ich harre aus. Und nach und nach werde ich gesprächsfähig. Ich trete in den Austausch mit Menschen aus aller Welt. Spreche mit Soziologen, Anthropologen, Politikwissenschaftlern, Ethikern, Philosophen und schließlich Theologen. Im Versuch zurück in die Ganzheit zu finden, begegnen mir gänzlich divergierende Welt- und Menschenbilder. Wirklichkeitskonstruktionen, die nichts gemeinsam zu haben scheinen. Menschen wie mich, treffe ich dabei nicht.
Beruflich wie privat dringe ich immer tiefer in das lebendige pulsierende Herz unserer heutigen Gesellschaft vor. Licht und Schatten begegnen mir in ungeahnter Intensität.
2021 - 2025
Rückblickend begreife ich 2009-2021 als die Jahre der Inkubation meiner ersten Visionssuche. Mit den für schamanische Initiationskrisen typischen phasenweise extremen Bewusstseinszuständen ausgelöst durch nicht integrierbare spirituelle Erfahrungen und nicht bewältigbare Komplexität. Erst 2021 löst sich der Knopf im Hirn. Beim Schreiben der Laudatio für den Doktorvater.
Die geistige Synthese der Weltanschauungen von Physik, Buddhismus und Schamanismus gelingt. Die Frage nach dem Wesen des Wirklichen versinkt damit von einem Tag auf den andren in völliger Bedeutungslosigkeit. Ich falle durch die Sprache, aus der Kultur und in den Körper.
2022 starten meine Frau und ich unsere gemeinsame Reise. Geplant sind zwei Monate.
Schließlich werden es 18. Die Reise trägt uns nach Dänemark, Schweden, Utah und zurück nach Dänemark. 2023 gehe ich in Utah erneut auf Visionssuche. 2024 begegnet mir im skandinavischen Schamanismus meine geistige Heimat. Nach 18 Jahren intensiver Beschäftigung mit Körper, Energie, Bewusstsein, Klang und Imagination kommen die Puzzlesteine zusammen.
Seit Juli 2024 bin ich zurück in Österreich..



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